Wie wichtig sind sozialen Beziehungen am Arbeitsplatz?

Soziale Beziehungen beeinflussen unsere Gesundheit

Laut einer Studie der Pronova BKK ist für 83 Prozent der teilnehmenden Beschäftigten eine gute Beziehung zu den Kolleginnen und Kollegen ausschlaggebend oder sehr wichtig.

Verständlich, immerhin verbringen wir einen großen Teil unserer Zeit mit ihnen. Sie kennen uns an guten Tagen, aber auch wenn wir schlecht gelaunt, übermüdet oder gestresst sind. Manchmal entstehen sogar Freundschaften fürs Leben.

Die sozialen Beziehungen am Arbeitsplatz beeinflussen unser Wohlbefinden wesentlich, positiv oder negativ. Sie können als soziale Ressource wirken:

  • Positiv: soziale Unterstützung oder ein gutes soziales Teamklima stärkt Leistungsfähigkeit, Motivation und Gesundheit.
  • Negativ: soziale Konflikte oder Mobbing steigert die Belastung und das Stresserleben. Dadurch erhöht sich das Risiko, an Depressionen oder Burnout zu erkranken, lange Fehlzeiten inklusive.

Die Beziehungen mit unseren Kolleginnen und Kollegen nehmen also einen starken Einfluss auf unsere mentale Gesundheit. Dies belegen zahlreiche Studien und so bildet dieser Aspekt einen wesentlichen Schwerpunkt in den Leitlinien der GDA zur psychischen Gefährdungsbeurteilung.
Die psychische Gefährdungsbeurteilung zeigt dir, wie es um das soziale Klima in deinem Team bestellt ist und wie es langfristig optimiert werden kann.

In den letzten Monaten arbeiteten viele Menschen im Homeoffice und haben ihre Teams nur virtuell erlebt. Was macht das mit den Menschen?

Soziale Beziehungen im Homeoffice – Fluch oder Segen?

Während Homeoffice für einige Vorteile, wie flexiblere Arbeitszeiten, das Wegfallen des Arbeitsweges oder ungestörtes Arbeiten mit sich brachte, konnten andere sich nicht so schnell an diese Situation gewöhnen. Schließlich entfielen zahlreiche der kleinen Interaktionen zwischen Kolleginnen und Kollegen, das kurze Gespräch an der Kaffeekanne, der kleine Plausch im Flur auf dem Weg von einem Meeting zum nächsten und viele mehr.

Nun war es entscheidend für das mentale Wohlbefinden auf eine andere Art für solche Interaktionen zu sorgen und damit die Beziehungsqualität sowie die Arbeitsatmosphäre aufrechtzuerhalten.

Seit Juli dieses Jahres wurde die Homeoffice-Pflicht beendet. Laut einer Studie von Microsoft und der Boston Consulting Group wollen jedoch auch zukünftig 73 Prozent der Arbeiternehmerinnen und Arbeitnehmer weiterhin das Homeoffice als Arbeitsmodell nutzen. 67 Prozent wünschen, eine Teilung zwischen Homeoffice und Büro, um vor allem die persönlichen Kontakte pflegen zu können.

Deshalb wird uns das Homeoffice als Arbeitsmodell erhalten bleiben. Demzufolge ist es wichtig, zu wissen, wie soziale Beziehungen in Teams auch über Distanz gepflegt werden können. Schließlich sollen negative Auswirkungen auf die mentale Gesundheit sowie einen Rückgang der Motivation, Zufriedenheit und Leistungsfähigkeit vermieden werden.

Übrigens: Auch wir, das Team der Akademie für Arbeitsgesundheit, arbeiten seit dem Beginn der Corona-Krise im Homeoffice. Wir haben die Vorteile des Remote-Arbeitens für uns entdeckt und nutzen sie auch in Zukunft weiter.

Sieben Tipps, um soziale Beziehungen auch im Homeoffice zu pflegen:

1. Virtuelle Kaffeepausen & Co.: Führt neue Rituale ein

Menschen sind Gewohnheitstiere: Rituale verleihen unserem Joballtag Struktur und geben uns Sicherheit. Da man sich im Homeoffice nicht zufällig an der Kaffeemaschine oder auf dem Gang trifft, müssen solche Rituale geplant werden.  Wie wär’s also mit einer täglichen virtuellen Kaffeepause oder einem wöchentlichen Meeting ganz ohne Agenda.

2. Raum für private Gespräche

Setze bei Meetings nicht von Beginn an eine straffe Agenda an. Gib den Teilnehmenden Zeit für ein kurzes Warm-up. Das ist wichtig, um sich auszutauschen und die sozialen Beziehungen untereinander zu stärken. Diese Gespräche, die bei Präsenz-Meetings spontan vor und nach dem Termin ablaufen, fallen digital schnell unter den Tisch.

3. Kamera an: Mimik & Gestik sind nötig

Um das persönliche gemeinsame Arbeiten bestmöglich zu ersetzen, solltest du über Laptop/PC, Webcam und Headset verfügen. Schaltet bei Meetings eure Kameras an, denn gerade Körpersprache, wie Mimik und Gestik, geben dem Meeting eine persönlichere Note und verhindern Missverständnisse.

Tipp: Wenn du beim Sprechen in die Kamera schaust, wirkt es tatsächlich, als blickst du deinem Gesprächspartner direkt in die Augen.

4. Virtuelle Teambuilding-Maßnahmen

Teambuilding-Maßnahmen müssen nicht immer in Präsenz stattfinden. Es gibt viele Möglichkeiten wie Online-Escape Rooms, Live-Kochen oder digitales Theater, um den Teamspirit auch digital zu stärken. 

Tipp: Probiert doch mal einen digitalen Gesundheitstag aus und nutzt ein cooles Team-Event dafür, gleich noch etwas für die Gesundheit zu tun. Mehr Infos dazu findest du hier!

5. So wird die Technik zum Kinderspiel

Eine der größten Hürden im Homeoffice sind technische Probleme, die zum Beispiel durch eine unzureichende technische Ausstattung oder fehlendes Anwendungswissen entstehen. Um euren Joballtag effizienter zu gestalten, lohnt es sich Kompetenzen für Selbstorganisation, Zeitmanagement, den Umgang mit Medien und digitalen Anwendungen zu stärken.

6. Status: Beschäftigt

Rufen dich deine Kollegen immer an, wenn du gerade konzentriert an einer Aufgabe arbeitest? Viele Online-Tools wie z.B. Slack oder Skype haben die Möglichkeit, den eigenen Status auf erreichbar, beschäftigt oder abwesend zu setzen. So wissen deine Kollegen immer, ob sie dich gerade stören dürfen oder nicht.

Die perfekte Lösung gibt es nicht

Es gibt kein Geheimrezept für das perfekte soziale Teamklima, sowohl digital als auch in Präsenz. Eine psychische Gefährdungsbeurteilung hilft dir, herauszufinden, was deine Mitarbeiter:innen sich wünschen und eine individuelle, organisationsspezifische Lösung umzusetzen.